

Vor kurzem begann für tausende Schülerinnen und Schüler der Schulalltag. Für einen Teil ist der erste Schultag allerdings ein Tag des Abschiednehmens. Nur etwa jedes zehnte behinderte Kind in Hessen kann dann zusammen mit seinen Freunden und Freundinnen aus dem Kindergarten oder den Nachbarskindern gemeinsam in die Schule gehen. Neun von zehn behinderten Kindern landen auf der Förderschule. Auch in diesem Jahr wurden wieder viele behinderte Kinder gegen ihren und den Willen ihrer Eltern auf Förderschulen verwiesen, weil für den gemeinsamen Unterricht in der Regelschule nicht ausreichend Lehrerstellen zur Verfügung stehen.
Es ist paradox: in den Kindertagesstätten sind behinderte und nicht behinderte Kinder in den gleichen Gruppen. Geht es in die Schule werden sie getrennt. Die Quote der behinderten Kinder in hessischen Regelschulen immer noch erbärmlich. Viele Flächenländer sind hier schon deutlich weiter, in Städten wie Bremen und Berlin ist man mittlerweile bei über 30 % angelangt, in einigen europäischen Ländern liegt die Quote bei 80% in Regelschulen.
Es gibt immer mehr Eltern, die sich vehement dafür einsetzen, dass Ihr Kind in die Regelschule kommt und dies notfalls auch auf dem rechtlichen Wege durchsetzen wollen. Klar ist auch, dass die Landesregierung beim Thema schulische Integration nur ein "mangelhaft" erreicht. 50 neue Stellen für den gemeinsamen Unterricht in diesem Jahr denken nicht annährend den Bedarf.
Durch unzählige Schulversuche, durch die Erfahrung in anderen Ländern steht längst fest, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf für alle besser ist. Es macht auch keinen Sinn, behinderte Kinder in der Schule auszugrenzen und später erhebliche Mittel dafür aufzuwenden, sie wieder gesellschaftlich einzugliedern. Es ist doch viel sinnvoller, die Kinder gar nicht erst auszusondern.
Mit der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen, die seit März auch in Deutschland verbindlich ist, wurde international für den Schulbereich die inklusive Schule als Ziel benannt. Das heißt: eine Schule für Alle, die den einzelnen Menschen und seine Förderung in den Mittelpunkt stellt und nicht das Resourcenargument als Ausrede verwendet. Hiervon sind wir in Hessen meilenweit entfernt, andere Bundesländer wie Bremen haben schon konkret einen Zeitplan für ein inklusives Schulkonzept vorgelegt. Von der hessischen Landesregierung hört man hierzu nichts.
Des Öfteren melden sich bei mir verzweifelte Eltern, die einen langen, harten Kampf um die Einschulung ihres Kindes kämpfen. Gerne versuchen meine Fraktion und ich uns für den gemeinsamen Unterricht einzusetzen. Wir wollen die "Schule für Alle". Eine frühe gute Qualifikation ist entscheidend für den weiteren Lebensweg, hier zu sparen kostet den Staat mehr Geld, wenn eine schlechte Qualifikation und eine nicht ausreichende Förderung später zu teureren Integrationsmaßnahmen führen.
Für meinen persönlichen Lebensweg war es elementar, dass sich meine Eltern früh für den Besuch ihrer behinderten Kinder in der Regelschule eingesetzt haben. Aus heutiger Sicht wäre meine persönliche Biografie sicherlich anders verlaufen, wenn ich auf eine "Sonderschule" gekommen wäre: ich hätte kein Abitur machen und studieren können, ich wäre nie Richter und später Abgeordneter geworden.
Auch deswegen können Sie sicher sein, dass ich mich immer dafür einsetzen werde, die Regelschule für behinderte Kinder zum Normalfall werden zu lassen. Wir brauchen die Schule für Alle unabhängig von der sozialen Herkunft, von dem Geldbeutel der Eltern, von einem Migrationshintergrund oder einer Behinderung.