Andreas Juergens, MdL

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10/07: Keine Naziaufmärsche in Hessen

Am 20.10. sind mehr als 1000 Menschen zur Gegendemonstration gegen eine von rechten angemeldeten Demonstration auf die Straße gegangen und haben ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz gesetzt. Zur Demo der Nazis erschien niemand. Beim folgenden Text handelt es sich um den Redebeitrag von Dr. Andreas Jürgens bei der Kundgebung:

In Deutschland darf niemals in Vergessenheit geraten, was die Nationalsozialisten diesem Land und der Welt angetan haben. Politisch Andersdenkende – Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, Liberale – wurden in Konzentrationslagern erniedrigt, gequält und ermordet. In ihrem Rassenwahn haben sie Juden, so genannte Zigeuner, Angehörige anderer ethnischer Minderheiten zuerst entrechtet, dann deportiert und vergast. Als so genanntes lebensunwertes Leben wurden Menschen mit Behinderung – vor allem geistig und seelisch behinderte Menschen – interniert, zwangssterilisiert und vernichtet.

Die Nazis führten bereits Krieg gegen die eigene Bevölkerung, als sie begannen, Krieg mit der halben Welt zu führen. Ihr Überfall auf Polen war der Beginn des zweiten Weltkrieges. Damit sind die Nazis unmittelbar verantwortlich für alles, was danach geschah. Als Deutschland und auch Kassel in Schutt und Asche fielen, war dies ihre Schuld.

Es gibt nichts Gutes aus der Nazizeit. Nicht die Autobahnen, die bereits viel früher geplant wurden. Und schon gar nicht die Familienideologie. Familien wurden von den Nazis vor allem als Zuchtstationen für angeblich erbreinen Nachwuchs verstanden. Kinder hatten keine eigenen Rechte, sondern schuldeten Gehorsam – erst den Eltern, dann dem Führer. Wer dies heute verklärt hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Die Leute, die zum Jahrestag des Bombenangriffs auf Kassel, auf der anderen Seite der Fulda demonstrieren wollten, stehen in der geistigen Tradition der Nazis. Sie kommen vielleicht nicht mehr in Uniform daher oder tragen Glatzen und Springerstiefel, wie frühere Generationen der Neonazis. Sie tragen heute Schlips und Kragen. Sie sitzen im Landtag von Brandenburg und vor allem von Sachsen. Die Sprache ist moderner und ihr Medieneinsatz topaktuell. Aber was sie transportieren, ist die bekannte Ideologie.

Sie predigen Hass gegen alles Andersartige. Gegen Ausländer, andere Kulturen und Religionen. Sie predigen Hass gegen die Demokratie. Sie hetzen gegen alles, was ihrer engstirnigen deutschtümelnden Vorstellung nicht entspricht. Dies ist was es immer war: eine extrem menschenverachtende Ideologie.

Wir können und wollen das in Kassel nicht akzeptieren. Zur letzten documenta kamen 750.000 Menschen aus aller Welt nach Kassel. Sie wurden mit offenen Armen empfangen in einer toleranten und weltoffenen Stadt. So soll es bleiben, es muss eher noch besser werden. Dafür kämpfen wir, wenn wir uns mit der Demonstration den Nazis entgegenstellen.

Für Toleranz und Menschlichkeit, gegen Intoleranz und Hass.

Für Integration der Menschen statt Ausgrenzung ganzer Gruppen

Wir wollen Freiheit und Demokratie, keine Diktatur dogmatischer Einfältigkeit

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