Andreas Juergens, MdL

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11/06: Aus für die lokalen Medien?

Kleine Änderung, große Wirkung. Mit der Novelle des hessischen Privatrundfunkgesetzes stehen die vier offenen Kanäle und zahlreichen nichtkommerziellen Radiosender vor dem Aus. Hintergrund ist eine Regelung im Gesetzentwurf der Landesregierung für eine Änderung des Privatrundfunkgesetzes, wonach die Ausgaben für die Bürgermedien und Medienkompetenzprojekte zusammen nicht höher sein dürfen, als
die Ausgaben für die technische Sendestruktur. Was im Gesetzentwurf recht harmlos klingt, kann für viele Medieninitiativen eine Kürzung von 50% oder mehr ihres ohnehin nicht üppigen Etats bedeuten. Eine Budget-Reduzierung ist nicht verkraftbar, da ohnehin, wie bei vielen kulturellen und sozialen Initiativen, immer auch ein Großteil ehrenamtlicher Kraft in den Projekten steckt.

Staatsminister Grüttner hat im Landtag erstmals zugestanden, dass mit der von ihm vorgesehenen Neuregelung die offenen Kanäle und die nichtkommerziellen Radios nicht mehr im bisherigen Umfang bestehen bleiben könnten. Stellen wir uns der Frage, ob wir die Bürgermedien noch wirklich brauchen oder sie ein Relikt aus der Zeit sind, als die Medien noch laufen lernten. Brauchen wir angesichts der Medienvielfalt noch die Bürgermedien? Hat nicht heute jeder mit seinem Internet-PC die Möglichkeit, Bilder und Töne zu verbreiten? YouTube und ähnliche Anbieter haben dafür gesorgt, dass viel mehr Menschen als früher aktiv am Mediengeschehen teilnehmen. Auch der kurze Ruhm der Band "Group Tekkan", die durch ein selbstgedrehtes Musik-Video über das Internet weite Verbreitung fand, ist ein Beispiel, wie jüngere Menschen aktiv Medienerfahrungen sammeln. Sind es nicht gerade Kinder und Jugendliche, die der älteren Generation bei der technischen Medienkompetenz weit überlegen sind. Kurzum: Sind die Bürgermedien noch zeitgemäß und lohnt sich eine weitere Unterstützung?

Ich meine eindeutig Ja! Die offenen Kanäle und die freien Radios haben sich mit der Medienlandschaft weiter entwickelt und sind inzwischen zu Medienkompetenzzentren geworden, die wichtiger als je zuvor sind. Technische und inhaltliche Medienvielfalt überfordern oftmals die Menschen. Wie heute beim Fernsehen Eltern immer mehr darauf achten. was ihre Kinder sehen, so ist auch der Umgang mit den Medien und das Stärken der persönlichen Medienkompetenz wichtig geworden. Hier haben sich die lokalen Medien ihren Platz durch kreative Angebote erobert. Sie sind verlässlicher Partner von Kindergärten, Schulen und Initiativen bei unzähligen Vorhaben. Seien es nun Projekte  wie "Medien machen Schule", "Webklicker" oder "Du bist Radio", allesamt helfen sie dabei, jüngeren oder erwachsenen Menschen die produktiven Möglichkeiten und den 'richtigen' Umgang mit den Medien zu erlernen.

Darüber hinaus liefern sie nach wie vor - mit lokaler Berichterstattung und kulturellen Beiträgen jenseits von Einschaltquoten - eine Ergänzung des Programmangebots, die von zahlreichen Menschen wahrgenommen wird. Auch die Möglichkeit für alle Bürger und Bürgerinnen, selber Fernsehen oder Radio zu machen, erfreut sich weiter großer Beliebtheit.

Aus meiner Sicht gibt es also weder finanzielle noch inhaltliche Gründe, warum hier ohne Not die Struktur der Bürgermedien zerschlagen werden soll. Die Landesregierung sollte ihren Gesetzentwurf noch einmal gründlich überdenken, damit die Zukunft der lokalen Radios und der offenen Kanäle gesichert wird. Die Zuschauer und Hörer der Bürgermedien sollten ihren örtlichen Landtagsabgeordneten klar machen, dass sie die Offenen Kanäle und den lokalen Rundfunk schätzen. Dann lässt sich vielleicht noch das schlimmste verhindern.

Was meinen Sie? Schicken Sie mir eine e-mail mit Ihrer Meinung an  juergens.mdl@t-online.de. Und teilen Sie bitte mit, ob Sie mit einer Veröffentlichung Ihres Beitrages einverstanden sind.

 

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