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12/04: Bundeswehr

Wegfallende Bundeswehrstandorte in Nordhessen innovativ nutzen

Die Bundeswehr reagiert 15 Jahre nach dem Fall der Mauer, 14 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, 10 Jahre nach dem Nato-Beitritt ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten und im Jahr des EU-Beitritts unserer östlichen Nachbarn endlich auf die geänderte Weltlage: die Streitkräfte, vor allem Panzerverbände, zur Landesverteidigung werden massiv abgebaut. Das ist gut und richtig. Wir können und dürfen uns keine Armee leisten, die nur die Verteidigung gegen einen nicht mehr vorhandenen Gegner gewährleistet, aber den geänderten Aufgaben im 21. Jahrhundert nicht mehr gerecht wird.

Die Schließung von Bundeswehrstandorten betrifft ganz besonders Nordhessen. Die Standorte Bad Arolsen, Wolfhagen, Fuldatal, Hessisch Lichtenau, Sontra, Schwalmstadt und Neustadt werden geschlossen. Damit fallen weitere Arbeitsplätze, eine erhebliche Nachfrage und damit Wirtschaftskraft in diesen Regionen weg.

Dennoch gibt es zur Schließung von Bundeswehrstandorten keine Alternative. Wir können nicht die Militärdoktrin des Kalten Krieges wiederbeleben, die Trennung Europas als Fiktion fortführen, die teure Hochrüstung aufrechterhalten, nur um die Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor in einigen Gemeinden zu erhalten. Aber der Bund hat auch seine Verantwortung: er muss die Grundstücke und Gebäude, die bisher von der Bundeswehr genutzt wurden, unbürokratisch, schnell und vor allem preiswert abgeben (wenn möglich sogar umsonst), um praktische Konversion zu ermöglichen. Die Marbachshöhe in Kassel oder das Technologie- und Tagungszentrum in Marburg sind gute Beispiele, wie ehemaligen Kasernengelände effektiv zum Nutzen einer Stadt umgewidmet werden können.

Nordhessen muss seine Stärken ausbauen und hierfür die freiwerdenden Flächen nutzen: Logistikdrehscheibe mitten in Deutschland, Solarregion für erneuerbare Energien, Wissenschaftsstandort und Touristikregion mit bedeutenden kulturellen Zentren – all dies muss weiterentwickelt werden. Wieso sollen aus Panzerhallen keine logistischen Standorte werden, aus Sporthallen kein Wellness-Center, aus großflächigem Übungsgelände kein Solarenergiepark und aus Kasernen keine Forschungslabors für anwendungsorientierte Wissenschaft?

Noch stehen Mittel aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Noch könnten auch die 151 Mio. Euro, die für den unsinnigen Flughafen Kassel-Calden zum Fenster hinausgeworfen werden sollen, für praktische Konversion genutzt werden.

Aber die Region muss auch zusammenstehen. Jetzt könnte sich rächen, dass ein wirklicher Zusammenschluss zu einer Region Nordhessen von den meisten Bürgermeistern und Landräten blockiert wird. Wenn jeder allein vor sich hin wurstelt, kann der Umbau nicht gelingen. Jetzt ist praktische Zusammenarbeit gefordert. Ein "Runder Tisch Konversion", an dem sich alle Beteiligten zusammensetzen, ist das mindeste. Eine möglichst baldiger Zusammenschluss zur "Region Nordhessen" wäre noch besser. Das wichtigste aber ist: offensiv die Zukunft gestalten, statt dem Verlorenen nachzutrauern.

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